Halsband oder Geschirr? Wie der Leinenruck Ihren Hund krank machen kann…

Viele Hundehalter sind unsicher, ob ein Halsband oder ein Geschirr besser für ihren Hund wäre. Ich möchte Ihnen in diesem Blogeintrag meine Meinung über dieses Thema mitteilen.

Wenn man das Bild dieses Schäferhundes oben betrachtet, fällt sofort auf, dass der Hund ziemlich krass an der Leine zieht. Entweder er sieht etwas Spannendes oder er möchte nicht „bei Fuß“ laufen…oder beides…

Betrachten Sie bitte mal die Körperhaltung dieses Schäferhundes:

  • Er ist aufgeregt
  • Er möchte nach vorne
  • Er ist auf vorne fokussiert, wird aber durch die Leine zurück gehalten
  • Das Halsband drückt von vorne und der Seite auf den Hals, schneidet womöglich mit der Zeit in das Fell und in die Haut ein
  • Das Ziehen an der Leine klemmt ihm sprichwörtlich die Luft ab. Sämtliche Funktionen des Halses stehen unter Spannung, Muskeln werden „abgeklemmt“, Organe „eingedrückt“
  • Sogar auf den Kiefer, die Ohren und die Augen kann diese Haltung Auswirkung haben

Der ganze Hundekörper steht unter Total-Anspannung. Nun versucht man beim Training, den Hund mit dem Leinenruck aus diesem Verhalten rauszuholen. Das bedeutet, man zieht ihn (zusätzlich zu der schon vorhandenen Anspannung) noch an der Leine zur Seite, um ihn zu ermahnen oder abzulenken. Man zieht einen komplett angespannten, mit Adrenalin vollgepumpten Hund, am Hals zur Seite. Klar, es ist keine Dauer Anspannung, aber es kann sich im Laufe der Zeit summieren, wenn man das immer wieder macht. Ich möchte hier auf keinen Fall irgendwelche Trainingsmethoden schlecht machen oder Hundetrainer kritisieren. Ich möchte nur hinterfragen. Oft wird das Fehlverhalten und das Stressverhalten des Hundes durch den Leinenruck noch schlimmer. Wenn man dabei noch ein Retriever Halsband einsetzt, welches sich bis zu einem bestimmten eingestellten Punkt, am Hals des Hundes zu zieht, und es falsch verwendet, macht man den Hund eher kaputt anstatt „gut erzogen“.

Welchen Sinn soll das haben? Wer tut das seinem Hund gerne auf Dauer an? Ich persönlich möchte das meinem Hund nicht antun…es muss irgendwie noch andere, sanftere Trainingsmethoden geben! Entweder man muss besser „bei Fuß“ trainieren, sodass der Hund erst gar nicht zieht, oder man muss von einem Halsband zum Geschirr wechseln. Denn:

Im Hals befinden sich die Luftröhre, die wichtig zum Ein- und Ausatmen ist. Im unteren Halsbereich liegt die Schilddrüse, die wichtige Hormone reguliert. Ebenso befinden sich im Hals Blutgefäße, die Blut, Nährstoffe und Sauerstoff zum und weg vom Gehirn transportieren. Die Stimmbänder haben Ihr zu Hause im Halsbereich. Der Hund schluckt mit der Speiseröhre Nahrung und Wasser. Alle diese Funktionen können im schlimmsten Fall beeinträchtigt werden und der Hund kann krank werden, wenn man immer wieder Druck mit dem Halsband auf diese Funktionen ausübt. Als Selbstschutz verhärten sich die Muskeln und das Bindegewebe des Halses mit der Zeit. Man kann sich das so vorstellen, wie wenn die Haut und das darunter liegende Gewebe immer fester und klumpiger wird, sodass es mit der Zeit immer dicker wird und sich wie eine Art Druck auf das Innere des Halses auswirken kann. Die darunter innenliegenden Organe können so schlechter arbeiten, weil sie zu wenig Platz haben…

Wenn also ein Hund nicht absolut perfekt „bei Fuß“ läuft, finde ich das Führen an der Leine mit einem Halsband gefährlich. Ein Geschirr wirkt auf mehrere Bereiche ein und verteilt sich auf verschiedene stabilere Zonen. Auch hier können Reibungen und Muskelverspannungen auftreten. Aber es verteilt sich besser auf den ganzen Körper. Der Hals wirkt meiner Meinung nach so fragil, dass es ihn zu schützen gilt.

Stellen Sie sich bitte vor, was also der ständige Ruck, „der typische Leinenruck“ am Hals bewirken kann! Im sanftesten Fall bewirkt es, dass der Hund heiser wird oder hyperaktiv wird. Vielleicht bekommt er eine Schilddrüsen-Fehlfunktion. Vielleicht passiert auch jahrelang gar nichts. Es sind auch nicht alle Hunde gleich. Doch irgendwann reagiert der Hund vielleicht mit Symptomen, für die keine Ursache gefunden werden kann. „Ihr Hund ist depressiv, aber die Blutwerte sind ok.“ Kennen Sie diesen Satz des Tierarztes? Dem Hund geht es schlecht, aber es gibt einfach keinen Befund und keine Diagnose…

Im schlimmsten Fall kann der Hund einen Bandscheibenvorfall im Halswirbelsäulen-Bereich erleiden – und das kann richtig übel enden. Das kann neurologische Ausfälle, Lähmungen und Kopfschiefhaltungen mit sich bringen und ich persönlich bin sogar der Meinung dass Epilepsie und das Vestibular-Syndrom bei diesem Thema auch eine Rolle spielen können. Wenn durch Muskelverspannungen wichtige Venen gedrückt werden und das Gehirn des Hundes zu wenig mit Sauerstoff versorgt wird, wird sich das wohl auf irgend eine Art äußern.

Ich möchte Sie mit diesem Blogeintrag dazu inspirieren, dass Sie darüber nachdenken, mit welcher Art Leinenbefestigung Ihr Hund am besten versorgt ist.

Beim ersten Hund macht man meistens vieles falsch. Auch ich habe bei meinem ersten Hund vieles falsch gemacht und eine Zeit lang oft den Leinenruck ausgeführt. Das Ergebnis war, dass mein Hund mit drei Jahren einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule hatte und seitdem hinterfrage ich vieles. Viele Jahre immer mal wieder ein Leinenruck und dann irgendwann ein plötzlicher Unfall, eine Drehung an der Leine haben gereicht und die Konsequenzen waren furchtbar. Damals hatte sie nicht mal ein Halsband, sondern ein Geschirr an, aber der Halsbereich war vorbelastet und somit am empfindlichsten. Bei Toy Rassen wie dem Chihuahua und dem Yorkshire Terrier muss man sowieso vorsichtiger umgehen, weil sie oft überzüchtet sind und sie oft eine instabile Hals Anatomie haben. Hinzu kommt noch die Problematik des Wasserkopfes (Hydrozephalus).

Ich verstehe nun die Hintergründe, habe mich mit der Anatomie des Hundes befasst und mich dazu entschieden, nur noch auf sanfte Trainingsmethoden zu setzen. Die Halsbänder werden (wenn überhaupt) nur noch zur Zierde zu Hause getragen und beim Gassi lege ich ein leichtes, verstellbares, gut sitzendes Geschirr an. Am allermeisten lege ich Wert darauf, dass wir viel auswärts Gassi gehen, wo mein Hund unangeleint sein und sich frei bewegen kann.

Nun gibt es natürlich auch Hunde, die partout kein Geschirr tragen wollen. In diesem Fall würde ich behaupten, dass der Hund spürt, dass es ihm nicht gut tut. Wahrscheinlich stören ihn die Reibungen, an den Körperstellen, mit denen das Geschirr in Kontakt kommt. Hier würde ich dann individuell entscheiden und lieber ein leichtes Halsband empfehlen. Jedoch sollte der Hund brav bei Fuß laufen können…und kein Leinenruck am Hals erfolgen.

Selbst das Tragen von (Winter-)kleidung kann bei Hunden Fehlstellungen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates hervorrufen, wenn sie nicht richtig passt. Wenn die Kleidung am Nacken zu eng ist, wird der Kopf mein Gehen permanent runter gedrückt und der Hund kompensiert dies mit einer angepassten fehlerhaften unnatürlichen Gangart, die auf Dauer chronische Probleme mit sich bringen kann. Also ist es wichtig, dass alles schön passend sitzt und viel Freiheit für Bewegung lässt. Am Besten nur Hundekleidung verwenden, wenn der Hund es wirklich braucht, friert usw.

Wichtig ist es, dass man gut auf seine Hunde achtet und alles, was man hört und sieht, hinterfragt und schaut, ob es für den eigenen Hund passt.

Ich empfehle Ihnen, Ihren Hund einmal oder zweimal im Jahr auf Muskel- und Bindegewebsverspannungen durchchecken zu lassen. Gerade das Bindegewebe (die Faszien) werden sehr unterschätzt und sollte gut gepflegt werden. Wenn man das als vorbeugende Maßnahme sieht, kann man frühzeitig eingreifen, bevor schlimme Symptome entstehen. Eine Faszien Lockerung durch Massagen am Hals (Halsband) und im Thorax (Brustkorb) Bereich und Schulterbereich (wo das Geschirr anliegt und aufliegt) können für den Hund sehr befreiend wirken und Schmerzen nehmen. Der Körper kann danach wieder uneingeschränkt arbeiten und viele Krankheiten können sich damit in Luft auflösen.

Gerne unterstütze ich Sie mit DOG-Chilling dabei, Ihren Hund fit zu kriegen oder fit zu halten. Bitte schreiben Sie mir dafür eine E-Mail an info@dog-chilling.com oder rufen Sie mich an unter 0175-38757070.

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